
Ja, ja, ich weis, ich habe jetzt sehr lange nichts von mir hoeren lassen und die Spekulationen, warum und wieso treiben Blueten.
Ich werde jetzt ganz brav der Reihe nach berichten.
Zuerst haben ich mich also zu dieser Wanderung entlang des Malawisees aufgemacht. Geplant waren drei bis vier Tage zu wandern und dann die restliche Etappe mit der Faehre nach Nkata Bay zurueck zu fahren.
Dazu fuhren wir mit dem Bus von Nkata Bay ueber Mzuzu nach Chiveta. D.h. so sollte man das machen, wenn man gut informiert ist. Selly und ich hatten uns beide nur vage informiert und da Lindsay, die einzige, die wirklich Bescheid wusste, mit Karte am Vortag schon losgezogen war, sind wir einfach mal ins Blaue gefahren... und prompt zu weit. Das hat dann eine Weile gedauert, bis wir das kapiert hatten, und da wir schon am Morgen nicht so losgekommen waren, wie wir urspruenglich wollten, schien unser Ziel, naemlich Lindsay noch an diesem Tag zu erreichen, voellig utopisch.
Wir waren schon dabei neue Plaene zu machen, vor allem hatten wir gehoert, dass man mit dem Boot ein paar Doerfer weiter fahren koennte... (praktisch, wir haetten so Hase und Igel spielen koennen und Lindsay einfach abfangen... und das Ganze ohne anstrengende Wanderung...) Aber da kamen uns schon die ersten Leute entgegen, die Lindsay gesehen hatten, und meinten, sie sei nicht weit. Verdammt. Also, hinterher.
Und jetzt komme ich wieder auf das zurueck, was man ueber afrikanische Zeit-, Strecken-, und Richtungsangaben sagen kann. Wir hoeren also, Lindsay sei "just there", "you go there" (unbestimmte Richtungsangabe, natuerlich dem Ufer entlang, soweit war das nicht so schwer, wo haetten wir sonst hingehen sollen?) Kilometerangaben waren schier ueberhaupt nicht zu bekommen, wenn, dann schwankten sie tatsaechlich zw. 3 und 45 km fuer den gleichen Ort, und die Angaben ueber die zeitliche Entfernung waren ungefaehr genauso praezise.
Wir sind also in unglaublichem Tempo und voller Hoffnung Lindsay hinterher gehechtet. Bis dann, weil es dunkel geworden war, der Weg sehr uneben und die Gefahr Schlangen im Dunkeln zu uebersehen einfach zu gross schien, ich an einer wunderschoen idyllischen Stelle, in der Naehe einer Schule gefragt habe, ob wir dort unser Zelt aufbauen koennen. Von dem Lehrer, den wir gefragt hatten, wurden wir dann gleich zum Essen eingeladen, d.h. es wurde einfach aufgetischt, bzw aufgemattet, also eine Matte ausgebreitet und aufgetragen. Immer wieder diese bedingungslose Herzlichkeit. Man ist einfach gastfreundlich.
Am naechsten Morgen wurden wir dann von Kasawa-trocknenden Frauen geweckt, die eifrig schwatzten (so gegen 5:00 Uhr) und etwas spaeter von frueh eintrudelnden Schuelern, die uns neugierig, aber doch vorsichtig, von der Ferne beaeugten.

Ich will es etwas kuerzer machen: Wir haben Lindsay nach etlichen ungenauen Angaben (aber fast jeder wusste von ihr) am zweiten Abend endlich gefunden und konnten dann noch einen Tag zusammen wandern.
Die Wanderung ging entlang des Sees, durch viele kleine Doerfer. Malawi ist ziemlich dicht besiedelt, eigentlich gibt es ueberall ein Dorf, also man weiss nie so recht, wann das eine anfaengt und das andere aufhoert.
Leider war es furchtbar heiss, schon am Morgen um 7, wenn wir anfingen zu wandern, lief der Schweiss in Stroemen (ungefaehr wie nach dem dritten Aufguss auf der obersten Stufe in der Sauna) und das ging dann den ganzen Tag so. Ich habe ungefaehr neun Liter Wasser pro Tag getrunken und war nie pinkeln!! Erschwerend kam dazu, dass man ueberall und jedem "hallo" sagen muss, also von ueberall her rief es "hello, mzungu", "hallo, Weisse" und wenn man dann vor lauter Erschoepfung einfach mal nicht antwortete, dann wurde aber garantiert darauf bestanden und immer weiter gerufen...
Seht ihr die Schweissperlen auf meinem Gesicht?
Wir haben in wunderbar idyllischer Umgebung gezeltet, meist ganz nahe am Wasser, das uns als Waschgelegenheit wie auch als Trinkwasserlieferant diente. Leider ist Privatsphaere ein Fremdwort in Afrika. Also, wir wurden staendig belagert und bestaunt, nachts gingen die Fischer just neben unserem Zelt ganz ungeniert ihrer Arbeit nach, mit lautstarkem Palaver (wer moechte es ihnen verdenken!), aber ich haette sie killen koenne, denn es ging fast die ganze Nacht so bis in die fruehen Morgenstunden. Und der Strand sah nachmittags so friedlich und ruhig aus.
Aber im Vordergrund steht die Freundlichkeit der Menschen, die Hilfsbereitschaft und die Bereitschaft zur Begegnung. Immer wieder wurden wir befragt, woher wir kaemen, wohin wir gingen. Wir wurden neugierig beaeugt und gastfreundlich bewirtet. Fuer uns autistisch angehauchte Europaeer manchmal eben ein bisschen viel.
Aber die Wanderung war eines der Highlights der bisherigen Reise. Unberuehrte Gebiete, KEINE Touristen weit und breit, und doch erstaunlicherweise relativ wohlhabende Doerfer, viel wohlhabender als die Doerfer, die ich in der Naehe der Touristensiedlungen gesehen hatte.
Nach drei sehr anstrengenden Tagen, haben wir uns dann fuer einen Tag in Ruarwe ausgeruht, bevor wir mit der Faehre zurueck nach Nkhata Bay sind.
Ein tolles Abendteuer und vielleicht genau die richtig Vorbereitung fuer Kilimandscharo.
Bye for now!
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