Montag, 25. August 2008

Seit Freitag bin ich nun in Mosambiks Hauptstadt und ich muss sagen, das Land und vor allem die Leute gefallen mir bisher ausgesprochen gut. Schon der Anfang war gut: Ich fuhr von dem Backpacker in Nelspruit mit dem Taxi zum "Busbahnhof" und schon der Taxifahrer stellte sich als Mosambikaner - Antonio - vor und hat mich gleich quasi adoptiert, denn er hat mich zum richtigen Bus gefuehrt, dafuer gesorgt, dass alle Bescheid wissen und dass der Fahrer dafuer sorgt, dass ich in Maputo auch zum richtigen Hotel komme. Das war schon mal sehr nett. Man muss sich den Busbahnhof naemlich als eine wilde Ansammlung weisser Minibusse vorstellen, meist japanischer Herkunft und selten juenger als 15 Jahre. Dann stieg ich also in den Bus, alle starrten mich neugierig aber sehr freundlich an, der Minibus war schon ziemlich voll und ausser 11 Menschen waren da noch jede Menge Lebensmittel verteilt, denn die Mosambikaner gehen nach Suedafrika zum Einkaufen, weil es da billiger ist. Nach einigem Hin und Her wurde mir dann ein Platz vorne neben dem Fahrer angeboten, der zunaechst etwas skeptisch kuckte. Auf meiner Linken (der Fahrer sitzt hier ja rechts, wie haben Linksverkehr) sass wieder ein Mosambikaner - Antonio - und der laechelte schon so geheimnisvoll, als ich sagte, dass ich aus Deutschland komme... Er war naemlich selbst ein paar Jahre in Deutschland, naemlich in Dresden. Zwischen der DDR und den "Bruderstaaten" herrschte ja bekanntlich ein reger Austausch, das habe ich schon in Vietnam erfahren koennen. Und was besonders erfreulich ist, die Menschen haben dort alle sehr gute Erfahrungen gemacht, weil sie offensichtlich sehr gut integriert waren und man ihnen mit Respekt begegnet ist. Ich weiss nicht, ob das heute noch so ist. Habe seither immer wieder Menschen hier gesprochen, die Deutsch koennen und die Zeit in Deutschland in guter Erinnerung haben. Also Antonio II hat mich dann auch wieder adoptiert und damit hatte er dann schon einiges an der Backe, denn es war gar nicht so leicht an der Grenze das Visum zu bekommen. Bis ich alleine rausgefunden haette, wo ich wann hin muss, es war alles ein ganz grosses Gewirr von Schlangen oder eher Menschentrauben, keine Aufschriften ueber den Schaltern, keine Schlange fuer Europaeer oder so aehnlich, wie halt bei uns. Naja, Antonio hat sich immer wacker an allen vorbeigedraengt um zu fragen und um mich dann an der ganzen Schlange vorbeizuwinken... War mir ja schon ein bisschen peinlich, aber da die im Bus ja auch auf mein Visum warten mussten, wollte ich doch so schnell wie moeglich fertig werden. Die Beamten sind hier aeusserst streng, pedantisch und verstehen gar keinen Pass und so musste ich alles Moegliche ausfuellen, wozu ich eigentlich keine Lust hatte, bzw was ich eigentlich nicht konnte. Ich habe doch gar keine Heimatadresse mehr, mein Status (verheiratet oder nicht) interessiert doch eigentlich keinen Menschen, und wo ich hin wollte in Maputo wusste ich auch noch nicht. Aber er hat voellig humorlos darauf bestanden, dass ich das, und noch vieles mehr, auch ausfuellen. Naja, ich hab ja auch ein bisschen Fantasie... Jedenfalls war ich froh, dass Antonio da war, aber der kam mit meiner Laessigkeit wohl doch auch ein bisschen ins Schwitzen, irgendwann hat er mir gesagt ich solle jetzt einfach still sein und gar nichts mehr sagen... :-( Spaeter hat er mich noch mit einer Sim-Karte und Guthaben versorgt, seinen Neffen Julio bestellt, damit er mich zu meinem Wunschhotel bringen kann und nachdem das erst nicht zu finden und dann voll war, haben wir noch drei andere Hotels angesehen, immer zu dritt und die Maenner haben immer befunden, dass das nicht zumutbar sei, was wir uns zeigen liessen. Also sind wir immer weiter und es wurde spaeter und spaeter. Letztendlich habe ich dann in einem muslimischen Hotel (sehr eindeutig muslimisch, mit Alkoholverbotsschildern, Maennern in Kaftanen und einfach ueberhaupt keinen Frauen) ein halbwegs sauberes Zimmer, dass allerdings etwas mueffelte, gefunden. Das Badezimmer sah auch ganz gut aus, allerdings kein warmes Wasser (und es ist kalt hier nachts) und kein Vorhang in der Dusche und natuerlich war das Bad auf dem Gang. Dafuer hat es auch nur ca. 8 Euro gekostet. Naja, ich wurde dann von dort auch noch zum Restaurant eskortiert (auch wieder muslimisch, auch wieder kein Bier) und danach bin ich noch ein bisschen um den Block, aber das war sogar mir ein bisschen zu suspekt. Also bin ich ins Zimmer, nicht ohne vorher heimlich zwei Dosen Bier dort einzuschmuggeln. Kam mir vor wie frueher in der Schule (wobei ich das dort eher sehr selten gemacht habe, wirklich!) Aber es kommt noch besser. Ich war dann sehr muede, hatte staendig Angst ich koennte Bier verschuetten oder man koennte das sonst irgendwie riechen, dann musste ich natuerlich ein paar Mal aufs Klo und gegen Mitternacht war dort dann kein Wasser mehr. Auch nicht morgens um sechs, nicht um sieben, und um acht habe ich mir dann mit Hilfe des Restwassers die Zaehne geputzt, den Rest Bier vorsichtig in die Wasserflasche gekippt um ihn heimlich entsorgen zu koennen, denn in dem Raum gab es ausser dem Bett wirklich nichts! Nicht mal ein Papierkorb. Weit und breit war niemand zu sehen um mir zu sagen, ob es vielleicht irgendwann mal wieder Wasser geben koennte. Also habe ich beschlossen, zumal mein Geburtstag anstand, dass ich nochmal war schoeneres brauche bevor ich mich auf solch afrikanische Verhaeltnisse einlasse. Nach langem Suchen und einigen Absagen habe ich dann ein Zimmer in einem SEHR schoenen Guesthouse gefunden, zwar weit ueber meinem Budget, aber doch wert um einen wuerdigen Geburtstag zu feiern. Dann bin ich umgezogen, habe geduscht, Kaffee getrunken und mich mit Franzi getroffen. Wir hatten einen sehr schoenen, wenn auch ein bisschen abenteuerlichen Tag in Maputo, sind viel rumgelaufen, haben Stadt und ein Kunstmuseum angesehen und waren dann noch essen. Am naechsten Tag sind wir mit einer Faehre in eine kleine suesse Stadt (Catembe) gegenueber von Maputo gefahren, abenteuerliche Badewannen, wo ich vor allem bei der Heimfahrt richtig Angst bekam, weil wir im Innern sassen und sie immer mehr Menschen reingeschoben haben, und wer mich kennt, weiss, dass ichs damit dann sehr schwer habe, ich werde richtig gehend panisch. Aber da kommt doch wieder von hinten eine Stimme: "Haben Sie Angst?" Wieder ein Mosambikaner, der sogar immer noch in Deutschland lebt und nur auf Besuch war. Der hat mich dann abgelenkt. Ich koennte wohl ewig so weiter schreiben, und wirklich ist jeder Schritt, den man hier tut, irgendwie bedeutend und neu, und das ist natuerlich sehr spannend fuer mich. Aber ich glaube zum Lesen ist das jetzt genug. Ich werde mich allerdings wohl nicht mehr so schnell ausfuehrlich melden koennen, denn morgen fahre ich Richtung Tofo und dort erwarte ich langsame Verbindungen und teure Internet Cafes. Leider gibt es diesmal keine Fotos, weil ich auf diesem Computer hier keine Fotos laden kann, die dafuer noetige Software ist nicht vorhanden. Also daher nur noch ganz liebe Gruesse nach Hause, ich freue mich immer sehr, wenn ich wieder von euch hoere und auch wenn ich Rueckmeldung zu dem Blog bekomme. Und beschwert euch ruhig, wenn die Eintraege zu lang sind!

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